Eisdielen-Tricks erkennen: Bei diesen Sorten wird besonders oft geschummelt
Nicht jedes Eis in der Theke hält, was es verspricht. Wir zeigen, bei welchen Sorten besonders oft geschummelt wird und woran Sie gutes Eis erkennen.
Eisdielen-Tricks erkennen: Bei diesen Sorten wird besonders oft geschummelt
Ein Spaziergang durch die Innenstadt, 28 Grad, und dann dieser Blick auf die leuchtend roten Erdbeerkugeln in der Eistheke — da fällt es schwer, weiterzugehen. Doch je höher die Preise steigen, desto mehr lohnt sich ein zweiter Blick: Was ist wirklich drin in diesen bunten Bergen? Wir zeigen Ihnen, bei welchen Sorten oft getrickst wird und wie Sie den Unterschied erkennen.
Erdbeere: Die meistgekaufte und meistgefälschte Sorte
Erdbeereis gehört zum Sommer wie der Biergarten am Abend. Genau deshalb wird hier besonders oft nachgeholfen. Echter Erdbeereisgeschmack aus frischen Früchten ist blass-rosa und leicht ungleichmäßig in der Farbe — so wie echte Erdbeeren eben aussehen. Leuchtet das Eis in einem satten, fast schon kräftigen Rot, ist das ein erstes Zeichen dafür, dass künstliche Aromen oder Farbstoffe nachgeholfen haben.
Ein weiterer Hinweis: der Preis. In Bayern kostet eine Kugel Erdbeereis im Juni mancherorts schon 1,80 Euro oder mehr. Wer dafür echte, frische Erdbeeren aus der Region verarbeitet, kann kaum darunter anbieten. Günstigeres Eis arbeitet daher häufig mit Erdbeerpaste, Aroma oder Konzentrat — alles legal, aber eben nicht das, was viele Kundinnen und Kunden erwarten.
Pistazie: Die teuerste Versuchung mit dem größten Spielraum für Tricks
Pistazieneis in einem satten Grün? Vorsicht. Echte Pistazien ergeben ein gedämpftes, gräuliches Hellgrün — keine Farbe, die aus dem Regal springt. Das leuchtende Grün, das in vielen Eisdielen zu sehen ist, stammt in der Regel aus Farbzusätzen und Mandelaroma, das den teuren Pistazienanteil streckt oder vollständig ersetzt.
Echter Pistaziengeschmack ist nussig, leicht harzig, fast schon herb. Wer ein Eis bekommt, das süß und neutral nach „irgendwas Grünem” schmeckt, bekommt meist kein echtes Pistazieneis. Fragen Sie ruhig nach: Gute Eisdielen können Ihnen sagen, woher die Pistazien stammen und ob echte Pistazienpaste verwendet wird. Wer ausweicht oder keine Auskunft geben kann, hat oft etwas zu verbergen.
Fruchteis und Sorbets: Wenn der Fruchtanteil fehlt
Fruchteis klingt nach purer Natur — ist es aber nicht immer. Laut deutschem Lebensmittelrecht muss Fruchteis mindestens sechs Prozent der entsprechenden Frucht enthalten, bei Zitrusfrüchten sogar nur zehn Prozent. Das klingt nach wenig — und ist es auch. Der Rest kann aus Wasser, Zucker, Stabilisatoren und Aromen bestehen.
Besonders bei Sorten wie Zitrone, Himbeere oder Mango, die in der Eisdiele das ganze Jahr über angeboten werden, obwohl die Früchte nur wenige Wochen Saison haben, sollten Sie skeptisch sein. Echte Saisonware aus der Region gibt es im Juni: Erdbeeren, Rhabarber und erste Johannisbeeren. Wer jetzt Mangosorbet anbietet, arbeitet kaum mit frischen, regionalen Zutaten.
Tipp: Fragen Sie in der Eisdiele direkt nach: „Woher kommen Ihre Erdbeeren?” Gute Betriebe nennen Ihnen den Lieferanten oder sogar den Hof. Wer seine Zutaten kennt, spricht gerne darüber. Alternativ: Manche Hofläden in Bayern bieten inzwischen selbstgemachtes Speiseeis direkt vom Betrieb an — mit Früchten, die am Tag zuvor noch auf dem Feld gehangen haben.
So erkennen Sie handgemachtes Eis auf einen Blick
Ein paar einfache Faustregeln helfen beim Blick in die Theke: Selbstgemachtes Eis liegt flach in den Behältern, es wird nicht zu hohen Bergen aufgetürmt — das geht nur mit viel Luft und Stabilisatoren. Die Oberfläche sieht leicht uneben aus, manchmal sieht man noch Fruchtstückchen oder kleine Eiskristalle. Farben sind gedämpft und naturbelassen.
Industrieeis hingegen glänzt stark, hat eine sehr gleichmäßige, fast plastische Oberfläche und hält seine Form auch bei Wärme erstaunlich lange. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Emulgatoren und Verdickungsmitteln.
Wer beim nächsten Eisdielen-Besuch kurz genauer hinschaut, trifft bessere Entscheidungen — für den eigenen Gaumen und fürs Geld. Und wer ganz auf Nummer sicher gehen möchte: Schauen Sie bei Ihrem nächsten Marktbesuch, ob ein regionaler Betrieb in Ihrer Nähe auch Eis anbietet. Mit Erdbeeren von diesem Sommer. Das schmeckt man.